Biografie

Karl Hofer

Karl Hofer – zwischen Davor und Danach

Ein aus unerfüllten Zeiten herüberragender Mann. Kantiges Gesicht, wie gemeißelt, hinter dessen Stirn Intelligenz, in dessen Mundwinkeln Herablassung wohnte. Oder ist da doch noch etwas anderes, das aus diesen Augen spricht?

Sein Leben zerbrach in zwei Teile. Es gibt ein Davor und ein Danach. Das Datum, das die Tragödie benennt, heißt 1933. Davor – ein hoffnungsvoller Weg, geprägt von elementaren Ausbrüchen schöpferischer Energie: »Der Hofer ist ein kolossaler Maler«, schrieb August Macke am 13. Oktober 1909 in einem Brief an Sofie Gerhardt, »der ein Riesentalent hat und geradezu begeisternd auf mich wirkte .. Ich habe mich von einem lebendigen Maler noch nicht leicht imponieren lassen, aber der hat mir als Mensch und Künstler einen riesigen Eindruck gemacht.«

Danach – beschmutzt von der Unwucht der Zeiten: »Die Werke des Herrn Hofer ... sind nicht schöpferisch und zukunftsweisend, sondern dekadent«, schrieb 1933 ein Waldemar Wünsche in der »Deutschen Kultur-Wacht. Blätter des Kampfbundes für deutsche Kultur«, und 1937 säuberte Wolf Willrich, selbst Maler, »den Kunsttempel zur Gesundung deutscher Kunst im Geiste nordischer Art« von »pathologischen Problematikern – vor allem Charles Hofer, Genf.«

In der Kunsthochschule, an der Hofer als Professor lehrte, wurde ein Plakat aufgehängt, das ihn als »destruktives, marxistisch-jüdisches -Element« beschrieb und die Studierenden aufforderte, seine Veranstaltungen zu -boykottieren. 1934 erfolgte seine Entlassung. Der preußische Kultusminister Bernhard Rust verhängte zudem ein Arbeits- und Ausstellungsverbot. Hofers mutige Antwort: Er malte das Bild: »Gefangene« (Wv 1022, Abb. Bd.1, S. 122). Eine »Menschenpyramide aus vier ausgezehrten Gestalten, kahlgeschoren«, die mit leeren Augen »jeder in eine andere Richtung schauen«. Allein der »linke Gefangene ist mit gefalteten Händen« in sich hineingesunken, hoffnungslos, verzweifelt. Vor fahlem Hintergrund beschwor der Maler eine Vision, die schon bald in die grausame Realität der Konzentrationslager einmündete. (Janni Müller-Hauck. Karl Hofer – Versuch einer Interpretation, In: Karl Hofer 1878–1955, Berlin 1978, S. 27)

Unfähig, sich anzupassen, unfähig auch, sich zu ducken, zog er alle Pfeile auf sich. Das war sein Wesen. Ein Künstler, der sich nicht hinter der Leinwand verkroch, sondern vor ihr und mit ihr sagte, was er dachte. Die von den Nationalsozialisten gewünschte Kunst nannte er »Neo-Biedermeier«. bezeichnete sie als »Krönung der Minderwertigkeit und der Nachahmung«. Heute wissen wir, dass 313 (Ortwin Rave, Kunstdiktatur im Dritten Reich, Hamburg 1949, S. 87) seiner Werke aus den großen Museen entfernt, beschlagnahmt und zum Teil vernichtet wurden. Neun Werke Hofers hingen im Sommer 1937 in der Münchner Ausstellung »Entartete Kunst«, diffamiert als »Ausgeburten des Wahnsinns, der Frechheit, des Nichtskönnertums ...« Eröffnet am 19. Juli, sprach Adolf Ziegler, Präsident der Reichskammer der bildenden Künste: »Uns allen verursacht das, was diese Schau bietet, Erschütterung und Ekel.« Und neun Gemälde Hofers gelangten zwei Jahre später, am 30. Juni 1939 im Grand Hotel National, Luzern, in einer beschämenden Auktion zum Aufruf, wurden verschleudert. Ein bitterer Verlust und die Einsicht: »Hier trug ... Kunst ... ihr Schärflein für den Kauf von Waffen bei.« (»Antiques«. 40, no.1, 1. Juni 1941, S. 17)

Karl Hofer: ein Geächteter, ein Entarteter, einer, »der nicht aus unserer Seele stammt.«

Doch nicht genug. 1943 verbrannten nach einem Luftangriff auf Berlin fast hundertfünfzig seiner Gemälde – und auch einige Skizzenbücher, mindestens fünf. »Im März, ... ging mein Atelier in Flammen auf, die ich des Nachts brüllend und prasselnd aus meiner Werkstatt habe gen Himmel lodern sehen.« Galgenhumor diktierte ihm noch den Satz: »Leider ging auch die letzte Sendung der schönen Cigarren in unnützem Rauch auf.« In dieser verzweifelten Situation bewährte sich seine Unnachgiebigkeit: Er malte das Vernichtete neu. Von Juli bis Dezember 1943 entstanden 174 Werke nach Photos – als Neuschöpfung, nicht als Wiederholung. Woher diese Kraft? Woher dieser Mut?

 

Eine Zigeunerin prophezeit dem Jungen
eine große Zukunft

Vielleicht wurde der Grund zu solcher »berserkerhaften Schaffenswut« früh gelegt: Hofers Geburtshaus stand im Zentrum von Karlsruhe, wo man den Hut zog, wenn die schwarze Kalesche des Großherzogs vorüberrumpelte – mit oder ohne den Erlauchten. Der Vater, Oboist im Ersten Badischen Leibgrenadierregiment, starb am 9. November 1878 an Tuberkulose. Da war der kleine Karl -29 Tage alt. Die Mutter konnte ihr Kind nicht selbst aufziehen. Der Junge kam zu seinen Tanten, wurde ins Waisenhaus gesteckt und lernte die Zuchtrute kennen. Seine graue Anstaltskleidung macht ihn als armer Leute Kind kenntlich. »Es gab reichlich Arbeit in Haus und Garten und dementsprechend viel Hunger«, erinnerte er sich später. Umso mehr genoss er die wenigen Augenblicke, in denen 
er sich in der Waldstraße inmitten einer Jungenbande frei bewegen konnte.

Hin- und hergerissen zwischen Ausbrüchen der Freiheit und des strikten Reglements bildete sich ein schwieriger Charakter: Mut und Empfindsamkeit, kraftvolles Auftreten und panische Angst vor Abstieg und Armut. Er war umgänglich, im nächsten Moment rauflustig und schroff, freundlich und abschätzig, zurückhaltend und dann wieder sehr darauf bedacht, alle Welt wissen zu lassen, wer er ist. Sein bildnerischer Drang griff nach jedem Fetzen Papier. Er kämpfte sich durch die Enge der wilhelminischen Standesordnung, las bis zur Erschöpfung, lernte nachts, stopfte sich als Autodidakt voll mit jener Bildung, von der ihn seine Herkunft ausschloss. Bescheidenheit war dabei seine Sache nicht.

Angetrieben von der Prophezeiung einer Zigeunerin, er sei zu Besonderem bestimmt, wartete er nicht auf ein von anderen ersonnenes Schicksal. Er nahm seine Zukunft selbst in die Hand. Er wollte Maler werden – und wer ihm im Wege stand, wurde vor sein Gericht geladen. Als ihm das Großherzogliche Hoffinanzamt im Juni 1900 die Bewerbung um ein Stipendium – er war 21 Jahre alt – abschlägig beschied, schrieb er: »Da Bescheidenheit durchaus nicht förderlich ist, glaube ich wohl bemerken zu dürfen, daß ich, von künstlerischen Qualitäten abgesehen, auf dem Gebiete reinen Könnens jedem anderen Stipendiaten überlegen bin.«

Seine Entschlossenheit beeindruckte den Malereiprofessor Leopold von Kalck-reuth. Hofer durfte die Kunstakademie in Karlsruhe besuchen. Hans -Thoma unterrichtet ihn, und bald darauf fand er in dem Winterthurer -Kaufmann Theodor Reinhart einen großzügigen Förderer. Endlich konnte er heiraten (Wv 19, Abb. Bd 1, S. 30), reisen – und unbelastet malen. Ein Artikel von Julius Meier--Graefe in »Kunst und Künstler« machte 1907 nachdrücklich auf den 29-Jährigen aufmerksam, der gerade in Rom arbeitete. Ein Jahr später übersiedelte er nach Paris. Sein Ruf wuchs. Anerkennung folgte. Der Kritiker Karl Scheffler bezeichnete ihn als »das stärkste und sensibelste Talent der neuen Jugend.« Er selbst aber blieb unzufrieden auf der Suche, reiste nach Indien -(PW 1), studierte die Dramatik El Grecos, den Schwung der Komposition bei Eugène Delacroix, die unerwarteten Bildmittel von Paul Cézanne – und -erlebte in der Musik von -Johann Sebastian Bach, dass Kunst etwas zu tun hat mit streng gebauter Architektur. Letztlich aber geschah das alles nur, um in sich selbst hineinzuhorchen. Was wohnt in mir? »Der Querkopf macht sein Bollwerk auf, und die Juwelen stürzen ins Freie«, schrieb Julius Meier-Graefe 1914.

Er stand erstmals auf dem Gipfel – und fiel unversehens. Als er, begleitet von seiner Frau Thilde und den Söhnen Carlino und Hansrudi, an der französischen Kanalküste Urlaub machte, wurde er vom Kriegsbeginn überrascht und als feindlicher Ausländer festgenommen. Nach drei Jahren Internierung erreichte Theodor Reinhart (Wv 319) Hofers Freilassung. Im November 1917 konnte er den Freund in seinem Haus in Winterthur umarmen. »Aus mancherlei Gefangenschaft zurückgekehrt, erlebte ich ... -meine Wiedergeburt«, schrieb Hofer dankbar ins Gästebuch – und begann sofort wieder zu malen.

Ein Selbstbildnis (Wv 305, Abb. Bd.1, S. 58) aus diesen Tagen zeigt den inzwischen fast 40-Jährigen. Er baut nun in fester, breiter Schrift harte, schwarze Streben ein, die das Bildgefüge stabilisieren, seine Statik absichern. »Ein Bild muß geschmiedet sein«, sagte er später dem Kunsthändler Hans Pels-Leusden. Die Farben weisen ins Dunkle. Bei aller Entschlossenheit in den Gesichtszügen liegt ein Schatten über diesem Mann. Ein gedämpftes Grau-Blau hielt ihn noch eine Weile fest.

Glückliche Umstände – endlich einmal – führten ihn ins Tessin (Wv 356). Der Reichtum seiner Palette wandelte sich allmählich, konnte sich reich entfalten. Immer wieder zog es ihn in die stille Landschaft bei Lugano. 1931 kaufte er in La Torrazza di Caslano – in der Nähe wohnt Hermann Hesse – ein Haus, malte in aller Abgeschiedenheit. Als Professor für Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Charlottenburg kannte er schon lange keine finanziellen Engpässe mehr. Die Kritik hob das Mitglied der Preußischen Akademie der Künste hervor, er war im Kunsthandel (Wv 475: Bildnis Alfred Flechtheim, 1922, -
Abb. Bd.1, S. 79) präsent, in siebenundzwanzig Museen vertreten. Seine Studenten achteten – und fürchteten ihn. »So leicht er geneigt war, Schwächen, Mängel und Entgleisungen mit ätzender Kritik anzugreifen, verletzte er nie ehrliche Empfindungen und Bemühungen«, erinnerte sich 1955 sein Schüler Hermann Teuber.

Über seinen Werken lag jetzt jener karge, anmutige Charme, der die Stillleben mit Duft und Leben erfüllte, die Akte über jede Zudringlichkeit, jede begehrliche Entzauberung hob. Seine Landschaften versammelten eine Sorglosigkeit und Lebensfreude, die Hofer vorher nicht gekannt hatte. Jenseits aller Hast des Lebens suchte er nach Einfachheit. Er fand sie. Figuren, vor allem Mädchen, verweilen gebannt, als seien sie dem Strom der Zeit für einen Moment entstiegen. Sie erzählen keine Geschichte, deklamieren keine Gegenwart, keine Vergangenheit. Sie deuten an, was bleiben wird: »Der Mensch und das Menschliche war und ist das immerdauernde Objekt meiner Darstellung, Darstellung allerdings verstanden in einem tieferen, das Religiöse berührenden Sinne.«

Unbeeinflusst von der zeitgleichen »Neuen Sachlichkeit« ohne epigonalen Nachklang zum Expressionismus, verfolgte der Künstler seinen eigenen Weg. Das Gemälde »Freundinnen« (Wv 542, Abb. Stefanie Barron, Entartete Kunst, S. 257) schlug die ihm allein vorbehaltene Seite der bildenden Kunst auf. Hofer verzichtete auf jeden Effekt, jede delikate, brillierende Virtuosität. Spröde spricht sein Pinsel von der Farbe. Streng und gradlinig überziehen Linien das Bildgeviert. »Die Forderung bleibt bestehen, daß eine Naturform in der Fläche zugleich ... Baustein im Gebäude des Ganzen zu sein hat.« Alle Kraft des Ausdrucks lagerte sich ein in rührenden Gesten, den späten Nachfahren seines Mangels in Kindheit und Jugend. Es gibt in Hofers Werken immer wieder Umarmungen (PW 03-18v, 58), Gebärden der Hingabe (Wv 413, Abb. Bd. 1, S. 69). Er spricht gern von »Erfühlen« und meint damit die spürbare Nähe des Glücks – ob es sich in der Weite einer Landschaft oder in der Nähe einer liebenden, geliebten Frau, eines Freundes verdichtete.

 

Der »entartete« Klassiker

Aber dann kam das verhängnisvolle Jahr 1933 und mit ihm der Zerbruch allen solchen Glücks: » ... umflattert von den schwarzen Flügelschlägen des Verhängnisses«, wie Benno Reifenberg schrieb. Auf der Staffelei Gemälde, die wie grausige Dramen in die Stille einbrachen, darunter »Der Rufer« (Wv 1138, 1383). Angedeutet – so etwas gibt es – hatten sich diese schon in »Die Schwarzen Zimmer«. (Wv 1716, 1928, Abb. Schulz 87). Mit verschlossenem Gesicht traktiert ein Nackter mit seiner Blechtrommel vier Gefangene durch ausweglose, vergitterte Räume. Er wird den betäubenden Wirbel weiterschlagen im totalen Krieg. Hinter dem Einpeitscher steht ein gespenstischer Schatten, der sichtbar macht: Alle werden Opfer sein.

Von nun an lebte er im Danach. Seine Bilder standen im Schatten jener Ereignisse, in denen nicht sein Mut, nicht seine Persönlichkeit zerbrach, aber sein Bild der Welt. »Da war ein Maler, der mit einem Traum von Schönheit und einer Vision vom Klassischen begann«, schrieb der Kunsthistoriker Werner Haftmann, »und dann war es das Auftreffen auf die Wirklichkeit, die diesen Traum zerschlug.«

Und kein Ende nach 1945. Zu den Erfahrungen, die in die Arbeit Hofers eindrangen, gehörte, dass die Rücksichtslosigkeit, die Brutalität des Menschen nach dem Ende des 2. Weltkrieges nicht aufhörte. Das klassische Thema des Brudermordes (Wv 1953, 1954), das schon lange die Namen Kain und Abel trug, gestaltete er als Kennzeichen des Jahres 1946. »Ruinennacht« (Wv 2060, Abb. Bd. 1, S. 195) und »Höllenfahrt« (Wv 2058, Abb. Schulz S. 90) folgten 1947. Die Brandstifter böser Jahre machen sich davon. Der Schauplatz ihrer Verbrechen schwelt weiter. In grotesk fratzenhafter Maske erstarrt, können sie die Spuren unsagbarer Taten nicht aus ihren Gesichtern wischen. Hofer verfolgt sie mit heiligem Hass.

Die Werke der kommenden Jahre bezeugen ein von Bitterkeit, Trauer 
und ohnmächtiger Wut gespeistes Inferno. Die Farbe seiner Bilder wird lauter, 
die Form aggressiver. Wahnsinn, Brand, Chaos und Apokalypse überall. -
(Wv 1881, Abb. Bd. 1 S. 176) Nur selten versöhnliche Töne, eine Landschaft, ein Stillleben, ein unnahbar fernes Mädchen. Der desillusionierte Idealist schlug die schwarzen Seiten des Lebensbuches auf: »Wir Älteren und Alten werden keine Sonne mehr aufgehen sehen über dem zerquälten Land.« Und dann regte sich doch wieder sein unzerstörbarer Mut, seine tiefeingewurzelte Lebenskraft: »Aber die Bereitschaft zu glauben, die Bereitschaft zu hoffen, muß erhalten bleiben.«

Aus dieser Bereitschaft heraus baute er auf, verwandelte als gerade berufener Rektor die Hochschule für Bildende Künste in Berlin in eine blühende Ausbildungsstätte. Heinrich Ehmsen, als stellvertretender Rektor mit allem vertraut, schrieb später: »Diese Oase ... ist ... wieder aufgebaut worden aus Trümmern ... geistig .. fest gefügt aus Erkenntnissen unserer Leben ... Vom ... großen Menschenleide sind alle Deine Werke getragen; aber Du arbeitest, um zu mahnen, dass die Jugend kommender Geschlechter sich eine humane Lebensform baut! ... Auch Du, lieber Hofer, bist in Deinem Sinnen und Denken und Deiner Arbeit am Werk, einen guten Baustein für die Kathedrale der Menschheit zu schaffen.«

Hohe Ziele. Die Maler Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff konnte er gewinnen, ebenso die Bildhauerin Renée Sintenis, den Architekten Max Taut (PW 12) und den Kunsthistoriker Will Grohmann. Als Karl Hofer 1948 seinen 70. Geburtstag feierte, ernannte ihn die Berliner Humboldt-Universität zum Ehrendoktor. Die Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe berief ihn zum Ehrenbürger. Karl Schmidt-Rottluff schrieb ihm: »Wenn ein Mann bis zu seinem 70. Geburtstag nicht unterzukriegen war, dann garantiert er auch dauerhafte Bilder. Überhaupt, Sie blieben unerschüttert, was auch die Weltgeschichte für Unfug anstellte .. Die Jahrzehnte konnten weder Ihrem Ansehen noch Ihrer Vitalität etwas anhaben. Sie sind noch immer der Jüngste von uns allen ...«  

Bis zu seinem Tode am 3. April 1955 ließ Karl Hofer sich nicht abbringen von der Suche nach dem Bleibenden, festgeschrieben in starken, festen Formen und Farben. Er mied das Zufällige, woraus seine Ablehnung der aufkommenden abstrakten Kunst erwuchs. Als es zum Streit kam, konnte er sich mit Will Grohmann und den Malerkollegen Fritz Winter, Willi Baumeister, Ernst Wilhelm Nay nicht einigen. In der Folge plante er eine Gegenschrift zu Wassily Kandinskys Manifest »Über das Geistige in der Kunst« von 1911, gab ihr den programmatischen Titel: »Über das Gesetzliche in der bildenden Kunst.« Unnachgiebig wie immer konnte und wollte er die Naturform als schöpferische Grundlagen aller Malerei nicht aufgeben. Zu lang und zu prägend der Weg, den er durchschritten hatte – und zu hart hatte er für seine Bilder kämpfen müssen.

Gerd Presler

(Aus: Karl Bernhard Wohlert: Karl Hofer, Werkverzeichnis der Gemälde, Band 3, Markus Eisenbeis [Hrsg.], Köln 2007)